Interimmanagement

Interim Management als berufliche Option: Wie Sie als «Manager auf Zeit» richtig Fuss fassen

In der Schweiz arbeiten rund 4000 Menschen als sogenannte Interim-Manager, wobei etwa 1000 davon als «Vollprofis» tätig sind sowie voll und ganz auf diese Art der Tätigkeit setzen. Das Durchschnittsalter beträgt rund 50 Jahre. Der Jahresumsatz in Markt Schweiz wird auf ca. CHF 600 Millionen geschätzt.

Die Wirtschaft hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert, sodass Interim-Manager eine immer wichtigere Rolle spielen. Im Zuge der Digitalisierung setzen sich immer mehr flexiblere Organisations- und Arbeitsstrukturen durch. Dank diesen Strukturen können Unternehmen schneller auf komplexe Herausforderungen reagieren und diese wirksam bewältigen. Dies zwingt Firmen dazu, Fachwissen und Managementfähigkeiten in unterschiedlichsten Bereichen effektiver, effizienter und rascher einzusetzen. Und genau hier kann der passende Interim-Manager sehr wertvolle Dienste leisten. Es ist davon auszugehen, dass dieser Markt weiterhin deutlich wächst.

Der Dachverband Schweizer Interim Management definiert Interim-Management (siehe DSIM Branchen-Index) wie folgt: Interim-Management ist Führung, das heisst Sie sind verantwortlich für die Ergebnisse der Projekte, die Sie auf Zeit leiten und umsetzen. Diese Projekte sind zeitlich befristet, bis das «Problem» gelöst oder z.B. der Relaunch einer strategischen Geschäftseinheit erfolgt ist. Das Interesse des Interim-Managers ist dabei in erster Linie nicht der Folgeauftrag, sondern das Projekt möglichst erfolgreich abzuschliessen. Management auf Zeit unterscheidet sich zudem vom klassischen Beratungsgeschäft darin, dass die "Konzepte" auch tatsächlich umgesetzt werden, um die Zielerreichung sicherzustellen.

Interim-Manager sind gestandene Persönlichkeiten, die gerne Verantwortung übernehmen, um in Organisationen positive Veränderungen im Interesse des Auftraggebers zu erreichen. Aufgrund der intensiven Arbeitseinsätze während Projekten, müssen Sie körperlich gesund sein, geographisch und vom Einsatzort her flexibel, rasch verfügbar und brauchen einen starken inneren Antrieb, etwas bewegen und umsetzen zu wollen. Generell gesprochen sollten Interim-Manager über starke und erprobte Fähigkeiten in den Bereichen Leadership, Change Management, Kommunikation und Projektmanagement verfügen. Zudem sollten sie mindestens 15 Jahre Berufs- und 7 Jahre Führungserfahrung haben, sich entsprechend aus- und weitergebildet haben, hohe Sozialkompetenzen zeigen, ziel- und ergebnisorientiert sein und je nach Situation als Spezialist oder Generalist sowie Einzelkämpfer oder Teamplayer auftreten können – ein anspruchsvoller Mix von Fähigkeiten.

Die Mehrheit der Mandate bewegen sich von der Dauer her zwischen 6 und 24 Monaten, wobei jedes dritte Mandat verlängert wird. Von den Funktionen her braucht es am meisten Projekt- oder Prozessverantwortliche, gefolgt von CEOs und Fachspezialisten. Die meisten Interim-Manager agieren auf der Ebene der Geschäftsleitung sowie auf den Ebenen der Projekt-, Abteilungs- und Bereichsleitung. Dabei werden Interim-Mandate am meisten von der Geschäftsleitung und dem Verwaltungsrat vergeben. Ebenso besteht die Möglichkeit, entsprechende Mandate über ausgewählte Interim-Provider zu akquirieren (z.B. Brainforce, Top 50, GroNova, Acuenta), welche im Markt auch wieder unterschiedlich positioniert sind und bei einer erfolgreichen Vermittlung Gebühren verrechnen. Die Mandate können sich praktisch in allen Branchen ergeben, wobei die Nachfrage im Industriesektor im weitesten Sinne am grössten ist. Interim-Manager werden zu ca. 2/3 in Unternehmen ab 250 Mitarbeitern sowie Grossunternehmen eingesetzt. Die wichtigsten Gründe, weshalb Manager auf Zeit eingesetzt werden, sind die folgenden: Change Management, Ersatz für Ausfall einer Führungskraft, Kostensenkungsprogramme, Turnarounds/Sanierungen sowie Projekte in den Bereichen Innovation und Unternehmensentwicklung.

Laut dem Dachverband DSIM sind dabei folgende Herausforderungen zu beachten:

  • Balance zwischen Auslastung und Akquise sowie Flexibilität und Privatleben
  • Interim-Management ist in der Schweiz noch nicht überall etabliert (ca. 55% der Firmen setzen Manager auf Zeit ein)
  • Umgang mit dem Wunschdenken des Auftraggebers in Bezug auf die Realität bzw. die kommerziellen und technischen Möglichkeiten
  • Visible Kosten des Interim-Managers können zu Beginn abschrecken (Tagessalär beträgt je nach Mandat-Art durchschnittlich CHF 1750 und ist abhängig von der Branche, Funktion und Dauer des Mandates)
  • Leistung und Wirkung muss rasch gezeigt werden praktisch ohne Einarbeitungszeit
  • Mitarbeiter dort abholen, wo sie aktuell stehen (Geduld mit Belegschaft vs. rasche Veränderungen einleiten können)

Interim-Management ist grundsätzlich eine sehr spannende Option für erfahrene Führungskräfte über 50, welche auch immer beliebter wird (mehr dazu in diesem TV-Beitrag des Wirtschaftsmagazins ECO im Schweizer Fernsehen). Viele Professionals habe diese Möglichkeit nach einer Kündigung oder einem bewussten Stellenwechsel aber gar nicht auf dem Radar und wissen noch weniger, wie man zu solchen Mandaten kommt. Wer solche Mandate ins Auge fasst, sollte sich zu Beginn im Rahmen einer umfassenden Standortbestimmung stark mit sich selbst und den fachlichen, sozialen und methodischen Kompetenzen auseinandersetzen. Nur so kann festgestellt werden, ob und wo genau ein Einsatz als Interim-Manager gut möglich ist. Ebenso braucht es einen durchdachten Auftritt und eine entsprechend klare und differenzierte Positionierung, damit Sie von möglichen Auftraggebern wahrgenommen werden und Mandate erhalten. Mit der richtigen persönlichen Marketingstrategie kann es Ihnen sicherlich gelingen, innert nützlicher Frist passende Mandate zu akquirieren und somit als Interim-Manager Fuss zu fassen.