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Warum Schweizer Führungskräfte im Übergang mehr brauchen als einen Lebenslauf: Die richtigen 100, LinkedIn und die neuen Regeln der Sichtbarkeit

 

Im heutigen Schweizer Markt öffnet der Lebenslauf die Tür – aber Sichtbarkeit verschafft Ihnen die Einladung.

Der Schweizer Arbeitsmarkt bleibt widerstandsfähig, ist aber deutlich selektiver geworden. Nach einem verlangsamten Jahr 2025, in dem viele Unternehmen Einstellungen zurückstellten oder Budgets einfroren, gewinnt der Markt wieder moderat an Dynamik – allerdings mit weniger, dafür strategischeren Neubesetzungen, ausgerichtet auf Transformation, Innovation und Effizienz. Fachkräfte und Unternehmen passen sich gleichermassen an eine neue Normalität an – geprägt von Interimsrollen, längeren Rekrutierungszyklen und einer vorsichtigen Grundhaltung auf Kandidatenseite.

Für Führungskräfte in beruflicher Neuorientierung verändert dieser Wandel alles. Die alte Formel – Lebenslauf aktualisieren, ein paar Headhunter kontaktieren, abwarten – erzeugt keine Dynamik mehr. Der Markt hat sich weiterentwickelt. Und er hat sich leise weiterentwickelt.

 


Wo Führungspositionen tatsächlich besetzt werden

Mindestens 70 Prozent der Senior- und Führungspositionen werden nie öffentlich ausgeschrieben.

Das ist nicht neu, aber die Konsequenzen werden spürbarer. Auf der Führungsebene ist die Ausschreibung häufig der letzte Schritt im Besetzungsprozess, nicht der erste – Fachkräfte, die darauf setzen, Positionen öffentlich erscheinen zu sehen, steigen in den Markt ein, nachdem die Entscheidungen bereits begonnen haben.

In der Schweiz werden konkret immer weniger Stellen öffentlich ausgeschrieben – die Besetzung erfolgt zunehmend über bestehende Netzwerke oder Shortlists, oft bevor eine Position je auf einer Karriereseite erscheint.

Unternehmen restrukturieren, Verwaltungsräte planen Nachfolgen, Führungswechsel vollziehen sich – alles hinter verschlossenen Türen. Die erste Frage, die Entscheidungsträger stellen, lautet nicht «Kann diese Person den Job?», sondern «Wer kennt sie, und wofür ist sie bekannt?»

Für Führungskräfte im Outplacement entsteht daraus ein spezifisches Problem: starke Erfahrung bei gleichzeitig geringer unmittelbarer Sichtbarkeit. Der Wert ist real – aber er erreicht die Menschen nicht, die ihn sehen müssten.


LinkedIn ist heute eine Relevanz-Maschine

Hier kommt LinkedIn ins Spiel – nicht als Online-Lebenslauf, sondern als System, das aktiv entscheidet, wer gesehen wird.

Der LinkedIn-Algorithmus bewertet Profile heute nach Klarheit, Konsistenz und kontextueller Relevanz – er analysiert, wie deutlich Ihre Rolle und Ihr Mehrwert kommuniziert werden, ob Ihre Aktivität mit Ihrem Profil übereinstimmt und ob Ihre Netzwerkinteraktionen auf echte Expertise hindeuten.

Die organische Performance auf der Plattform hat sich drastisch verändert: Laut einer aktuellen Analyse des LinkedIn-Experten Richard van der Blom sind die Aufrufe um 50 % gesunken, das Engagement um 25 % zurückgegangen und das Follower-Wachstum um 59 % eingebrochen.

Die Plattform belohnt nicht mehr Volumen. Sie belohnt Relevanz. LinkedIn hat massiv in KI-gestützte Systeme investiert, die Absicht, Thema und berufliche Relevanz bewerten – breiter, generischer Content hat es zunehmend schwer, durchzudringen.

Ein Profil mit vager Überschrift, leerem «Info»-Bereich und einem Netzwerk, das ausschliesslich beim letzten Arbeitgeber aufgebaut wurde, wird schlicht nicht angezeigt. LinkedIns Systeme verbreiten nicht, was sie nicht einordnen können.


Neue Spielregeln: Wie LinkedIn Inhalte heute wirklich bewertet

Am 11. März 2026 hat LinkedIn eine grundlegende Veränderung seines Feed-Rankings veröffentlicht. Die Plattform setzt nun auf sogenannte Generative Recommender und Large Language Models (LLMs), die besser verstehen, worum es in einem Beitrag tatsächlich geht und wie sich die beruflichen Interessen eines Nutzers im Laufe der Zeit entwickeln.

Damit verschiebt sich die Logik der Sichtbarkeit fundamental: Weg von Keywords und Aktivitätsmustern – hin zu inhaltlichem Verständnis und Kontext.

Für Führungskräfte in beruflicher Neuorientierung bedeutet das: Ein guter Lebenslauf reicht nicht mehr. Wer sichtbar bleiben will, muss für die Plattform lesbar sein.

Profile und Inhalte müssen so formuliert sein, dass sie eindeutig interpretierbar sind – nicht nur für Menschen, sondern auch für Systeme. Vage Formulierungen, generische Titel oder unscharfe Positionierungen führen dazu, dass LinkedIn Sie nicht klar einordnen kann – und folglich auch nicht ausspielt.

Gleichzeitig steigt die Bedeutung von thematischer Konsistenz: Wenn Profil, Aktivitäten und Netzwerkinteraktionen unterschiedliche Signale senden, reduziert das Ihre algorithmische Relevanz. Wenn sie hingegen ein klares, konsistentes Bild vermitteln, verstärkt die Plattform Ihre Sichtbarkeit gezielt in den relevanten Zielgruppen.

Sichtbarkeit entsteht nicht mehr durch Präsenz allein – sondern durch Verständlichkeit.


Die richtigen 100

Masse beim Netzwerken ist nicht die Antwort. Stattdessen empfehlen wir unseren Klientinnen und Klienten, sich auf das zu konzentrieren, was wir die richtigen 100 nennen: eine sorgfältig kuratierte Gruppe von Kontakten mit echter Relevanz für den beruflichen Übergang.

Das sind keine zufälligen Verbindungen. Es sind ehemalige Kolleginnen und Kollegen, Verwaltungsratsmitglieder, vertrauenswürdige Headhunter, langjährige Kunden, Branchenkolleginnen und Branchenkollegen sowie Vernetzer – Menschen, die die Arbeit der Führungskraft bereits kennen oder im Umfeld agieren, in dem die nächste Rolle entstehen wird.

Das Ziel ist nicht Volumen. Es ist Vertrauen, Wiedererkennung und Kontaktfrequenz.

Ihre nächste Position wird mit grösserer Wahrscheinlichkeit aus den richtigen 100 Kontakten entstehen als aus 1’000 zufälligen Verbindungen.

Das ist keine Netzwerktheorie. Es spiegelt wider, wie der Schweizer Führungskräftemarkt tatsächlich funktioniert: über Vertrauen, Empfehlungen und gezielte Gespräche – nicht über Bewerbungen ins Leere.


Was Führungskräfte im Übergang anders machen sollten

Die praktischen Schritte sind klar, erfordern aber Disziplin:

Aktualisieren Sie Ihre LinkedIn-Überschrift so, dass sie Ihren aktuellen Mehrwert widerspiegelt – was Sie heute einbringen – und nicht nur Ihren letzten Titel.

Nutzen Sie den «Info»-Bereich, um Führungsstärken, Transformationserfahrung und die Art der Herausforderung zu beschreiben, die Sie suchen.

Richten Sie Ihre Profilsprache auf die Rollen und Branchen aus, die Sie anvisieren.

Bleiben Sie aktiv genug, um sichtbar zu bleiben, ohne aufdringlich zu wirken – ein bis zwei durchdachte Kommentare pro Woche können mehr bewirken als tägliche Posts.

Und stellen Sie sicher, dass Ihre LinkedIn-Präsenz dieselbe Botschaft transportiert, die Sie in der direkten Ansprache verwenden. Konsistenz schafft Glaubwürdigkeit. Widersprüche zerstören sie.

Die Menschen, die 2026 auffallen, sind nicht lauter – sie sind klarer.


Eine Beobachtung zur Führungskultur

Führungswechsel sind kein Zeichen von Scheitern. Sie sind ein Zeichen strategischer Veränderung – in einem Markt, in dem der Fachkräftemangel in nahezu allen Branchen hoch bleibt und Unternehmen neue Stellen schaffen, selbst während sie andere umstrukturieren.

Schweizer Unternehmen operieren mit kürzeren Planungshorizonten, während Verwaltungsräte und CEOs unter dem Druck stehen, gleichzeitig schneller und sorgfältiger zu handeln.

Die Nachfrage nach erfahrener Führung ist real. Aber die Wege zu diesen Positionen haben sich verändert. Sichtbarkeit und Netzwerkstärke zählen – nicht nur für Kandidatinnen und Kandidaten, sondern für das gesamte Führungsökosystem.

Unternehmen, die das verstehen, investieren in Nachfolgeplanung. Führungspersönlichkeiten, die das verstehen, investieren in ihre eigene Relevanz – lange bevor sie es müssen.


Fazit

Die moderne Stellensuche auf Führungsebene ist nicht mehr nur eine Frage der Qualifikation. Es geht um Klarheit, Relevanz und Vertrauen.

Der Lebenslauf bleibt notwendig – aber er ist nicht mehr der Hauptmotor für neue Chancen.

LinkedIn, strategisch eingesetzt und kombiniert mit einem fokussierten Netzwerk der richtigen 100, gibt Führungskräften ein strukturiertes Instrument, um in einem Markt sichtbar und relevant zu bleiben, der beides zunehmend belohnt.

In der neuen Marktrealität der Schweiz gewinnen nicht nur die Erfahrenen – es gewinnen die Sichtbaren, die Relevanten und die gut Vernetzten.

 


Grass & Partner begleitet C-Level- und Senior-Management-Führungskräfte bei strategischen Transitionen und hilft, langjährige Erfolge in klare Marktrelevanz zu übersetzen.
Kontaktieren Sie uns für einen diskreten Austausch.

 


Quellen: SECO-Konjunkturprognosen; KOF Konjunkturforschungsstelle, Beschäftigungsindikatoren; Michael Page Switzerland Salary Guide 2026; Richard van der Blom, Algorithm InSights 2025; LinkedIn-Plattform-Updates 2025–26; Schweizer Arbeitsmarktanalysen (Candidate Impact, Pipsy GmbH)