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Grass & Partner

Letzte Woche haben wir gefragt, ob sich der Markt dreht: Die offenen Stellen steigen wieder, die Einstellungsabsichten hellen sich auf. Die naheliegende Reaktion vieler Stellensuchender darauf ist, wieder mehr Bewerbungen zu schreiben. Bevor Sie das tun, lohnt sich ein Blick auf eine Zahl, die zeigt, wo diese Erholung überhaupt sichtbar wird, und wo nicht.

Was bedeutet künstliche Intelligenz für den Arbeitsmarkt – und für jede und jeden Einzelnen? Die Wiler Nachrichten haben unseren CEO Christian Bartholet am 24. September 2026 dazu befragt. Seine Einschätzung steht schon im Titel: «Nichts wird sein wie zuvor».

Seit über einem Jahr erzählen wir in diesem Brief eine konsistente Geschichte über den Schweizer Arbeitsmarkt: Rekordbeschäftigung, aber ein enger werdender sichtbarer Markt. Offene Stellen von 123'000 auf 86'000 gefallen. Bewerbungen pro Inserat um bis zu 50 Prozent gestiegen. Unternehmen zurückhaltend, Prozesse langsam, Stellensuchende über 230'000.

Stellen Sie sich eine Bereichsleiterin vor, deren Jahresgespräche seit drei Jahren ausgesprochen gut verlaufen. Die Ergebnisse stimmen. Ihr Team liefert. Bei schwierigen Projekten fällt ihr Name zuerst. Auch über den nächsten Karriereschritt wird gesprochen. Nur einen Termin dafür gibt es nie.

Eine Führungskraft, die sich beruflich neu orientiert, beginnt ihre Suche meist mit vertrauten Kategorien. Branche. Funktion. Unternehmensgrösse. Verantwortungsbereich. Die nächste Aufgabe soll zur Erfahrung passen und einen sinnvollen Schritt nach vorne ermöglichen.

Nächste Woche beginnt der September. Die Abwesenheitsnotizen verschwinden, pausierte Prozesse starten neu, Headhunter kehren mit Mandaten zurück. Viele Führungskräfte im Übergang haben den Sommer genutzt, um ihre Positionierung zu schärfen und ihre Zielunternehmen zu definieren.

Es gibt eine Dimension der beruflichen Neuorientierung, die in keinem Outplacement-Programm ein eigenes Modul hat, die in kaum einem Beratungsgespräch offen benannt wird und die dennoch in fast jedem unserer Coaching-Mandate irgendwann an die Oberfläche kommt. Meist beiläufig, in einem Nebensatz, nach einigen Wochen Vertrauen.

Wer die Berichterstattung über KI und den Arbeitsmarkt verfolgt, erlebt eine besondere Form von Schleudertrauma. In einer Woche verkündet eine Schlagzeile, KI eliminiere Wissensarbeit im grossen Stil. In der nächsten findet eine andere Studie überhaupt keinen messbaren Effekt. Dann erklärt eine dritte, die ganze Geschichte sei von Anfang an falsch gelesen worden.

Es gibt ein Gespräch, das wir in fast jedem Coaching-Mandat führen, meist irgendwo zwischen Monat drei und Monat fünf. Die Klientin oder der Klient setzt sich hin, sichtbar schwerer als in den frühen Sitzungen, und sagt eine Version desselben Satzes: «Ich dachte, ich hätte inzwischen etwas.»

Irgendwo in fast jedem Senior-Lebenslauf gibt es sie. Die Position, die nach zwölf, achtzehn oder vierundzwanzig Monaten endete. Eine Restrukturierung, die früher kam, als alle erwartet hatten. Ein neuer Eigentümer mit einem anderen Plan. Eine Kultur, die in den Interviews richtig aussah und sich ab Monat drei falsch anfühlte. Ein Mandat, das sich als etwas anderes herausstellte, als beschrieben worden war.

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