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Grass & Partner

Letzte Woche haben wir gefragt, ob sich der Markt dreht: Die offenen Stellen steigen wieder, die Einstellungsabsichten hellen sich auf. Die naheliegende Reaktion vieler Stellensuchender darauf ist, wieder mehr Bewerbungen zu schreiben. Bevor Sie das tun, lohnt sich ein Blick auf eine Zahl, die zeigt, wo diese Erholung ĂŒberhaupt sichtbar wird, und wo nicht.

Seit ĂŒber einem Jahr erzĂ€hlen wir in diesem Brief eine konsistente Geschichte ĂŒber den Schweizer Arbeitsmarkt: RekordbeschĂ€ftigung, aber ein enger werdender sichtbarer Markt. Offene Stellen von 123'000 auf 86'000 gefallen. Bewerbungen pro Inserat um bis zu 50 Prozent gestiegen. Unternehmen zurĂŒckhaltend, Prozesse langsam, Stellensuchende ĂŒber 230'000.

Stellen Sie sich eine Bereichsleiterin vor, deren JahresgesprĂ€che seit drei Jahren ausgesprochen gut verlaufen. Die Ergebnisse stimmen. Ihr Team liefert. Bei schwierigen Projekten fĂ€llt ihr Name zuerst. Auch ĂŒber den nĂ€chsten Karriereschritt wird gesprochen. Nur einen Termin dafĂŒr gibt es nie.

Eine FĂŒhrungskraft, die sich beruflich neu orientiert, beginnt ihre Suche meist mit vertrauten Kategorien. Branche. Funktion. Unternehmensgrösse. Verantwortungsbereich. Die nĂ€chste Aufgabe soll zur Erfahrung passen und einen sinnvollen Schritt nach vorne ermöglichen.

NĂ€chste Woche beginnt der September. Die Abwesenheitsnotizen verschwinden, pausierte Prozesse starten neu, Headhunter kehren mit Mandaten zurĂŒck. Viele FĂŒhrungskrĂ€fte im Übergang haben den Sommer genutzt, um ihre Positionierung zu schĂ€rfen und ihre Zielunternehmen zu definieren.

Es gibt eine Dimension der beruflichen Neuorientierung, die in keinem Outplacement-Programm ein eigenes Modul hat, die in kaum einem BeratungsgesprÀch offen benannt wird und die dennoch in fast jedem unserer Coaching-Mandate irgendwann an die OberflÀche kommt. Meist beilÀufig, in einem Nebensatz, nach einigen Wochen Vertrauen.

Wer die Berichterstattung ĂŒber KI und den Arbeitsmarkt verfolgt, erlebt eine besondere Form von Schleudertrauma. In einer Woche verkĂŒndet eine Schlagzeile, KI eliminiere Wissensarbeit im grossen Stil. In der nĂ€chsten findet eine andere Studie ĂŒberhaupt keinen messbaren Effekt. Dann erklĂ€rt eine dritte, die ganze Geschichte sei von Anfang an falsch gelesen worden.

Es gibt ein GesprĂ€ch, das wir in fast jedem Coaching-Mandat fĂŒhren, meist irgendwo zwischen Monat drei und Monat fĂŒnf. Die Klientin oder der Klient setzt sich hin, sichtbar schwerer als in den frĂŒhen Sitzungen, und sagt eine Version desselben Satzes: «Ich dachte, ich hĂ€tte inzwischen etwas.»

Irgendwo in fast jedem Senior-Lebenslauf gibt es sie. Die Position, die nach zwölf, achtzehn oder vierundzwanzig Monaten endete. Eine Restrukturierung, die frĂŒher kam, als alle erwartet hatten. Ein neuer EigentĂŒmer mit einem anderen Plan. Eine Kultur, die in den Interviews richtig aussah und sich ab Monat drei falsch anfĂŒhlte. Ein Mandat, das sich als etwas anderes herausstellte, als beschrieben worden war.

Jedes Jahr gibt die Schweiz Hunderte Millionen Franken fĂŒr arbeitsmarktliche Massnahmen aus: Kurse, Programme, Bewerbungsworkshops, Trainingsmodule. Über dieser Maschinerie schwebt seit Jahrzehnten eine Frage ohne definitive Schweizer Antwort: Was hilft Menschen tatsĂ€chlich zurĂŒck in die Arbeit?

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